Indien 2003

26.08.-27.08.2003
Gestern sind wir von dem Ort Mount Abu mit dem Bus weitergereist nach Udaipur.
Die Fahrt hat dann doch 5,5 Stunden gedauert und als wir am Abend gegen 21:00h hier ankamen, tat uns der Hintern schon ein wenig weh.
Wir haben ersteinmal ein Kaeffchen zu uns genommen und sind dann mit der Rikshaw in die Altstadt gefahren. Hier haben wir nun auch eine phantastische Bleibe gefunden, direkt gegenueber dem Jagdish-Tempel. Das Leben hier zieht sich bis spaet in die Nacht rein und wir haben es von der Dachterasse unserer Bleibe beobachtet und aufgesogen.

Das links im Bild, ist der eben beschriebene Tempel. Am gestrigen Abend erlbten wir noch eine beeidruckende Tempelzeremonie.
Heute werden wir uns die Stadt erlaufen und warscheinlich am Abend hundemuede ins Bett fallen.
28.08.03 Haben heute unser ausgecheckt und das genialste Hotel verlassen, welches es wohl in Udiapur gibt. An alle, die in Udiapur einen Stop machen wollen, geht in dieses Hotel : Baba Palace, es ist genau gegenueber vom Jagdish-Tempel, wie bereits oben schon beschrieben. Das Zimmer sehr sauber, die Bettwaesche frisch und das alles ohne Kakalaken. Kostet nur 400 RS in der Mosumzeit. Wir haben uns ein Taxi gemietet um nach Jodhpur zu gelangen. Die Busse waren schon weg und sie fahren auch leider nicht ueber Ranakpur und Kumbhalgarh. Diese beiden Orte sollten undbedingt besucht werden, wenn man schon in dieser Gegend ist. Kumbhalgarh: eine alte Festung.
Von hier aus geht es weiter nach Ranakpur, zum Tempel des Jain Glaubens. Dieser Tempel ist auf 1444Saeulen erbaut worden. Von aussen schon sehr beeindruckend, jedoch von innen bekommen wir ihn leider nicht zu sehen. Er ist um 17.00 Uhr geschlossen fuer Besucher die nicht indisch aussehen, damit sind wir ausgeschlossen. Irgendwie sind wir hier die Hauptattraktion habe ich das Gefuehl, denn alle schuetteln uns die Hand und wollen mit uns Fotos machen. Meine kurzen Haare finden sie besonders toll, und alle wollen mal drueberstreichen.
Von hier aus starten wir weiter nach Jodhpur. Es sind ca. 200km und wir benoetigen ca. 6h dafuer. Die Strasse ist der absolute Wahnsinn, so etwas haben wir noch nicht gesehen. Schlagloecher, darin koennen ganze Kuehe verschwinden. Unser Taxifahrer, ich nenne ihn ab jetzt nur noch 'Schumi2', fahert als ob alle Goetter Indiens mit ihm sind. Mehrmals musste ich um mein Leben bangen und wir beide waren froh, als wir heil in Jodhpur angekommen sind. Die Suche nach einen Hotel erwies sich jedoch schwieriger als erwartet. Wir steuerten ein paar an und fast alle waren so dreckig, das ich schon Ausschlag beim ansehen bekam. Wir entschieden uns fuer das Teuerste und wohl auch das Beste hier in Jodhpur, dem Adjit Bhawan Hotel. Jedoch bezahlten wir fuer eine Nacht 2500RS, inclusive Fruehstueck.
29.08.03 Wir wollen heute noch weiter nach Jaisalmer, unser Zug faehrt aber erst um 23.15h vom Bahnhof, hier in Jodpur ab. So haben wir noch genuegend Zeit und hier ein bischen umzusehen. Wir sind natuerlich zum Meherangarth Fort hinauf. Dort wird einem in einer phantastisch gemachten audiobegleiteten Tour viel ueber die Geschichte der Gegend berichtet. Die Stadt Jodpur ist ein Mix aus Mittelalter und Verkehrschaos. Das die Wueste nicht mehr weit ist, spuert man an den Temperaturen hier. Wir brauchen uns nicht zu bewegen und schwitzen, was die Schweissdruesen hergeben. Hoffentlich schenkt die Nacht uns heute ein bisschen Erholung.
30.08.03
Am heutigen Morgen sind wir sogar fast einmal puenktlich mit der indischen Eisenbahn in Jaisalmer angekommen. Uns erwartete schon eine Gruppe, von den Menschen, die alles,am schnellsten und am billigsten besorgen koennen. Nach kurzer Zeit verpflichteten wir so dann auch einen Rikshawfahrer, der mit uns, zu dieser fruehen Stunde die Hotels abfaehrt. Nach einigen Hotels haben wir dann auch ein recht gemuetliches gefunden und checkten ein. Andreas musste die Bahnfahrt ersteinmal liegend verarbeiten, waehrend ich nicht schlafen konnte. Also bin ich auf das Dach des Hauses und habe die Stadt und die Wueste in der aufgehenden Sonne betrachtet. Wenn man solche Momente fuer sich hat und fuer sich ganz allein ist, was durchaus schwer moeglich ist, dann bemerkt man, was das Land durch sein 'Anderssein' mit einem macht. Auf unserem Gang durch die Gemeinde haben wir auch flugs einen Guide neben uns gehabt. Er ist 15 Jahre alt und brachte uns zu allen Orten, die wir sehen wollten. Sicherlich waeren wir ohne ihn so einige Strecken in dem Strassenwirrwarr aus Gassen und Straesschen bei der Hitze mehr gelaufen.
Heute Abend, so haben wir beschlossen, wollen wir die Kuehle der Nacht nutzen und weiter nach Bikaner reisen. Im Restaurant haben wir dann noch Jan und Tamra kennengelernt, Studenten aus Heidelberg. Die beiden sind seit 6 Wochen unterwegs und haben uns noch ein paar Gute Tipps gegeben.
31.08.03
Heute morgen sind wir in Bikaner angekommen.Es war ein Hoellentripp in diesem Bus. Nach einer Stunde Fahrt war was am Motor defekt, so wurde ersteinmal repariert. Anschliessend muss der Fahrer den Teufel gesehen haben, jedenfalls ist er so gefahren. Irgendwann haben wir dann einfach abgeschaltet und uns unserem Schicksaal ergeben. In Bikaner erwarteten uns schon die Schlepper. Mittlerweile haben wir Uebung im Ignorieren und suchen uns einen aus, der uns fuer 20 RS ins Hotel bringt. Vergebens versucht er uns zu ueberzeugen in sein Hotel zu gehen. Die Hotelsuche, war wie immer ein Drama. Total uebermuedet, kaum Schlaf im Bus gefunden, schauten wir uns zwei Hotels der unteren Klasse an. Beide waren wieder dreckig. Das dritte war dann ok. Wir haben uns gleich auf's Ohr gehauen und bis 10 Uhr geschlafen. Anschliessend lecker gefruehstueckt und uns auf den Weg gemacht das Ticket nach Jaipur zu loesen.
Wir sind jetzt auf dem Weg nach Deschnoke. Dort ist der Tempel der Ratten. Hier laufen die Ratten von links nach rechts und wenn man nicht aufpasst auch ueber die Fuesse. Es war kein schoener Moment, die kranken Viecher dort zu sehen. Ein krankes Land!
Heute haben wir unser Stresslevel erreicht. Die Inder gehen uns echt auf den Sack, um es mal deutlich zu sagen. Ok, sie wissen ja nicht, das wir taeglich hunderten die Hand schuetteln und ihnen sagen woher wir kommen und wie wir heissen. Wir wollten uns schon T-Shirts mit den Antworten aufdrucken lassen. Man gewinnt Abstand zu dieser Sache. Anfangs hatten wir noch Mittleid mit den Menschen die Betteln, jetzt gehen wir einfach an Ihnen vorbei. Vielen geht es gar nicht so schlecht, es ist nur ein gutes Business die Hand aufzuhalten, wenn Touris kommen. Heute Abend gehts weiter nach Jaipur. Dort werden wir ein bisschen kuerzer treten. Zur Zeit benoetigen wir etwas Abstand von dieser ganzen Meute hier. Waere schon cool, jetzt ein Bierchen im Irsih Pub zu trinken und mit Freunden zu plauschen. Also an alle Freunde von uns, wir vermissen euch und Marco Kopf hoch, das bekommen wir schon wieder hin. In diesem Sinne Palim Palim, das finde die Inder ganz toll wenn wir das sagen und wir lachen uns tot dabei. Stay tuned for further information.
Nachtrag zum 31.08.03
Mit 1,5h Verspaetung, sind wir heute Morgen um 07.30h mit dem Zug in Jaipur angekommen. Die Zugfahrt war bisher die schoenste. Wir hatten fast ein 6'er Abteil fuer uns, es kamen keine Chayverkaufer - Teeverkaeufer vorbei, und wir haben den Schlaf der Gerechten erlebt. Was sind dann schon 1,5 Stunden???
Am Abend noch eine Odyssee, was unseren Ticketkauf anging. Wir versuchten am Nachmittag schon Tickets fuer den Nachtzug zu bekommen, doch es war Sonntag und da ist halt ab 12.00h Schicht im Schacht. Man sagte uns, dass wir eine Stunde, bevor der Zug losfaehrt dort sein sollen, um ein Ticket zu kaufen. Wir waren am Abend also dort, wie uns geheissen wurde. Wir ranten von einem Schalter zum anderen, bekamen dann am 4'ten Schalter eine Mitreiseberechtigung, jedoch keine Pritschenreservierung. Also wieder los, zum Supervisor, dort dann eine Pritsche ergattert und reserviert.
Der Zug sollte um 21.35h vom Gleis 1 starten. Doch mittlerweile haben wir gelernt, dass Hinterfragen in Indien so wichtig ist, wie das Salz in der Suppe.
Wir frageten also jemand anderen und der sprach 'The Train to Jaipur..? Plattform 6'. Ok, also von Gleis 6. Sicherheitshalber dann nocheinmal gefragt und wieder eine andere Auskunft. Insgesamt wurden wir von Gleis 1 zum Gleis 6, zurueck zum Gleis 1 ueber Gleis 5, dann wieder zum Gleis 1 geschickt. Abgefahren sind wir letztlich vom Gleis 6. Unser Ticket gab vor, dass wir im Wagon S5 sitzen sollten, doch der Zug hatte nur Wagons bis S3, S5 gabe es also nicht. Na egal, schnell zwei Plaetze im Wagon S1 genommen, das Ticket entsprechend frisiert und auch der Schaffner war zufrieden.
01.09.2003
Wir haben uns im Hotel Atithi Guest House einquartiert. Sehr gut und ganz in der Naehe des Bahnhofes. Eine menge Travler sind hier, es scheint ein angesagtes Hotel zu sein und wir koennen es auch weiterempfehlen. Das Zimmer kostet hier zwischen 300 - 600 RS und sie sind sauber.
Kaum angekommen haben wir uns ersteinmal fuer die nachsten 2 h auf's Ohr gehauen, weil wir noch totmuede von der Fahrt waren. Um 12 Uhr fruehstueckten wir und gegen 13.30 Uhr sind wir mit der Fahrradrickshaw in die PINK CITY gefahren worden. Ja ja die Stadt heisst nicht nur so, weil hier der Rosarote Panther wohnt, nein sondern weil sie einst fuer Prinz Edward Pink gestrichen wurde. Rosa ist die Begruessungsfarbe der Inder. Die Fahrradrickshaw kostete nur 5 RS und es ist schon ein lustiges Erlebnis. Im Zentrum haben wir uns absetzen lassen und sind dann zu Fuss weitergegangen. Dabei wurden wir von einem Inder angesprochen und verwickeltet uns fuer die nachsten 2 h in ein sehr interessantes Gespaech ueber Indien, Religion , Umweltschutz und Politik.
Anschliessend haben wir uns auf den Weg gemacht, um uns den Palast der Winde anzusehen. Naja ganz nett war unser erster Eindruck. Ist ok, wenn man es gesehen hat, aber wenn nicht, ist es auch nicht weiter tragisch. Es ist nur eine Fassade und sieht im Sonnenuntergang ganz praechtig aus.
Am 1. September wird in Indien das Ganesh Festival gefeiert, so auch in Jaipur. Es war die 'Loveparde' fuer die Inder. Mit lauter Musik und wilden Taenzen wird dem Gott Ganesh gehuldigt. Elefanten und Kamele begleiteten die ca.80 buntgeschmueckten Wagen durch die Stadt, deren Ziel es war, den Ganesh Tempel zu erreichen. Es war riesen Spektakel!
Gegen 21 Uhr waren wir wieder im Hotel, haben zu Abend gegessen und uns dann den Tag mit einem schoenen Bier beendet.
02.09.2003
Um 10 Uhr sind wir heute aufgestanden, dann gefruhestueckt und ausgecheckt. Unser Plan war es den Nachtzug um 23 Uhr nach Agra zu buchen. Plaene sind nicht gut in Indien und so sagte man uns am Bahnhofsschalter, nachdem wir 2.5h angestanden haben, das der Zug 'broken' ist und nicht faehrt. So buchten wir fuer den naechsten Tag den Zug nach Agra.
Also auf zum Amber Fort. Auf dem Ruecken eines Elefanten sind wir dort hinaufgeritten.
Es heisst also nicht mehr 'Hoch zu Ross', sondern 'Hoch zu Elefant' :). Wir wackelten auf dem Reucken des Elefanten hoch zum Fort. Hier erwartete uns eine schoene Aussicht und das Fort selbst war sehr anschaulich. Dannach besichtigten wir ein paar Textil-Shops. Die Leute haben das Handeln hier richtig drauf. Wir haben uns zur Angewohnheit gemacht, den Preis den sie uns nennen einfach zu halbieren und selbst dann machen sie immer noch genug Gewinn. Es funktioniert und wir wissen auch, das man nicht so sehr beschissen wird. Thats Business!
03.09.2003
Den heutigen Tag koennen wir als Verbindungsetappe betrachten. Unser Zug von Jaipur, nach Agra sollte um 13.15h starten. Gebucht hatten wir gestern ja schon alles, als dass wir es heute so richtig ruhig angehen konnten. Nach den Auschecken aus dem Hotel ging vor der Tuer der alltaegliche Kampf mit den Rickshaw-Fahrern los.
Nur eine kleine Impression:
Unser Hotel lag etwa 1km vom Bahnhof entfernt, diese Strecke zu Fuss zu bewaeltigen, selbst mit Gepaeck also kein Problem. Wir sind diese Strecke bei unserer Ankunft mit einer Rickshaw gefahren und zahlten dafuer 5 Rs. Heute vor dem Hotel dauerte es geschlagene 30sec, bis der erste auf uns zugestuermt kam und sich und seine Dienste feil bot. Kosten 40 Rs!!! ---GENAU--- Wir lehnten ab und meinten es sei zu teuer. Los wurden wir ihn dadurch nicht, er folgte uns und mit ihm kamen immer mehr Dienstleister hinzu. Was sie nicht wusten, wir hatten fuer uns beschlossen, dass wir heute zu Fuss zum Bahnhof dallern und uns das Schauspiel einfach mal ansehen werden. Sie schlugen uns immer bessere Preise vor, doch die 5 Rs-Marke wollte niemand antasten, statt dessen kamen Rechenbeispiele, wie z.B. 'Ok, 5 Rs!!!, Sir!!! - fuer jeden (leise gesprochen)'. Nachdem wir schon einige hundert Meter gelaufen waren, bemerkten unsere Dienstleister, dass eine moegliche Fahrt nicht mal mehr die 5 Rs braechte und zogen von dannen. Bis dahin machten sie sich aber gegenseitig an, wie Kampfhaehne beim Hahnenkampf.
Die Fahrt gin los und sollte 7h dauern, wir richteten uns ob unserer schon gemachten Erfahrungen auf 8 - 9 Stunden ein und waren guten Mutes. Im Zug wurden wir wieder Zeugen des unvorstellbaren Umwelt(un)bewustseins der Inder. Man erwirbt in Indien Speisen, die man mit in den Zug nimmt. Die sind natuerlich schoen in Plastiktueten verpackt, dann noch eine Flasche Mineralwasser dazu und los kann's gehen. Verspuert der Inder nun Hunger, isst er seine mitgenommen Sachen, ist nix Neues, machen wir genauso. Doch jetzt kommts: all diese Verpackungen, egal was es ist, fliegen aus dem Fenster, nach dem Motto 'Aus den Augen aus dem Sinn'. Wenn man sich einmal vorstellt, dass 11 Mio. Inder taeglich die Eisenbahn benutzen, dann kann man sich in etwa ausmahlen, wie es rechts und links der Gleise aussieht und vor allem riecht. Heute glaubten wir, der Zug fuhr ueber eine riesige Muellkippe. Leider scheint es in Indien keine Muellentsorgung zu geben. Der Muell der entsteht landet in Fluessen, Graeben oder wird einfach ein bischen zusammengeschoben in einer Ecke liegen gelassen.
Nun gut, das nur als kleiner Randbeitrag, weil es heute nicht so spannend war, Zugfahren ist eben doch langweilig. *smile* Achja, der Zug kam puenktlich an...
04.09.2003
Heute Morgen sind wir verdammt frueh aufgestanden (05:00 Uhr), wir wollten uns heute das Taj Mahal ansehen, es oeffnet mit dem Sonnenaufgang. Damit wir das Taj nicht mit tausenden anderen Touristen teilen muessen, dachten wir uns, dann werden wir gleich die ersten sein. Gestern hatten wir uns schon eine Rikshaw fuer 06:00 Uhr geordert und sind dann auch los. Doch das Wetter spielte nicht so richtig mit, es war bedeckt und diesig. Unsere Vorstellung ging eigentlich dahin, dass wir mit dem Sonnenaufgang dort waeren. Ok, dann haben wir wohl den falschen Gott der 3 Millionen Goetter gebeten, uns gutes Wetter zu beschehren. Am Taj haben wir dann 750 Rs Eintritt bezahlt, als Nichtinder, die Inder bezahlen hier 10 Rs. Doch das Geld ist unserer Meinung gut investiert. Auch wenn man das Taj schon diverse Male auf Bildern und im Fernsehen gesehen hat, steht man selbst vor diesem 350 Jahre alten Bau, ist es umwerfend schoen. Es sieht aus wie ein Palast, doch ist es lediglich dafuer gebaut worden, zwei Menschen als Mausoleum zu dienen. Wir verbrachten dort etwa 2 h. Mit der Zeit fuellte sich auch das Taj, so dass wir froh waren, noch Bilder fast ohne Menschen gemacht zu haben. Andere Taveler berichteten davon, dass gegen Mittag hier die Hoelle los sei und ein schoenes Bild nicht moeglich sei. Und wie der Zufall es will, wir beendeten gerade unser Taj Mahal Tour, da setzte der Monsumregen ein. Haben wir vielleicht doch den richtigen Gott um Unterstuetzung gebeten? *smile* Zum Nachmittag hatten wir dann Glueck, unsere Zugreservierung klappte nicht so wie gedacht und wir kamen auf eine Warteliste. Das heisst, man bezahlt das Ticket komplett, darin enthalten ist die Fahrt und ein Schlafplatz und dann muss man hoffen, dass jemand abspringt. Es kann also passieren, dass kein Schlafplatz frei ist und man im Stehen oder im Gang schlaeft. Wer einmal einen indischen Zug von Innen gesehen hat, der will um kein Geld der Welt im Gang schlafen. Nun gab es aber zwei Maedels in unserem Hotel, die ihre Fahrkarten nicht in Anspruch nehmen konnten. Wir haben flugs geschaltet und deren Karten bekommen, unsere zurueckgegeben und alles war gut. In Indien ist es so, dass an jedem Wagon eine Liste mit den Namen der Personen haengt, die im Zug mitfahren duerfen. Somit hiessen wir jetzt Silke und Kathleen. Aber gekuemmert hat es auch niemanden, woher soll der Inder wissen, dass dies beides Frauennamen sind. *lach*
05.09.2003
Am Morgen (eigentlich zum Mittag) sind wir mit 2,5h Verspaetung in Varanasi angekommen. Wir hatten den Eindruck, als stuende auf unserem Ticket als Zielort nicht Varanasi sondern Muellhalde. Die Stadt war das wiederlichste, was wir bisher zu Gesicht bekommen haben. Ein Verkehr auf den Strassen, dass kann man sich nicht vorstellen, selbst Fahrradfahrer und Fussgaenger standen im Stau. Es stank nach Abgasen und Faekalien. Wir sind mit einem Boot auf den Ganges gefahren und dachten hier ein bischen weiter vom Dreck weg zu sein, doch weit gefehlt. Varanasi ist die heiligste Stadt der Hindus (also der Inder). Hier wurde dem Glauben nach der Hinduismus geboren. Dementsprechend wollen alle Inder hier sein und vor allem hier sterben, damit sie dem heiligen Fluss, dem Ganges nahe sind. Wir wohnten zwei Beerdigungsritualen bei. Die Hindus lassen sich nach dem Tod verbrennen und die Asche wird dann in den Ganges getan. Oder sie werden in ein Leinentuch gewickelt und mit einem grossem Stein beschwert im Ganges versenkt. Beide Varianten haben wir hautnah miterlebt. Es war eine merkwuerdige Stimmung hier. Niemand weinte oder zeigte sich verbittert oder traurig. Das Leben drumherum lief weiter seinen Lauf und auf die Nachfrage, ob wir hier sein duerften, sagte man zu uns 'No Problem!'. Die Naehe zu dem Ganzen, dieses 5 Meter Danebenstehen hat uns doch ein bischen sprachlos gemacht. Es ist eben doch eine ganz andere Welt. Und hier in Varanasi ist Indien am indischten. Gott sei Dank konnten wir am Abend die Stadt wieder verlassen und mussten nicht hier bleiben. Es waren zwar 660km Hinweg und 700km zurueck aber es hat sich gelohnt um das Bild des Hinduismus abzurunden. Ob wir es dadurch verstanden haben...? Wer weiss...?
06.09.2003
Zwei Stunden nach Sonnenaufgang landeten wir in New Delhi. Alle, die wir bisher auf unserer Reise trafen meinten, die Stadt waere so furchtbar, dass sie schnellstens die Flucht ergriffen haetten. Unser Eindruck war ein ganz anderer. Unser Hotel war vom Bahnhof zu Fuss erreichbar und lag direkt in einem Bazarviertel. Beim ersten Hinschauen dachten wir, Ok, es geht wieder los und wir stellten uns auf die Schlepper ein: 'do you want to see my shop?', 'Just a Look!' oder 'I have everything, very nice and cheap!'. Doch das Gegenteil war der Fall, niemand, nicht eine Menschenseele fragte uns, selbst nicht nach unseren Namen auch wollte niemand unsere Haende schuetteln oder wissen woher wir kommen. Das Hotel war auch in Ordnung, so konnten wir ganz entspannt den Tag auf uns zukommen lassen. Wir schlenderten im Bazarviertel herum, schnaggten mit dem einen oder anderen Ladenbesitzer und niemand wollte uns um unser Geld bringen und etwas aufschwarzen. Eine tolle Stadt. Wir verfielen dann in einem kleinem Kaufrausch, als wir sahen, wie preiswert hier in der Einkaufstrasse New Delhis geshoppt werden kann. Waere der Flug nicht so teuer und New Delhi so weit weg von Hamburg, koennte man oeffter hierher kommen um zu Shoppen. Nun kam im Hotel aber das Problem, wohin mit dem Ganzen? Klar es muss in unsere Rucksaecke also ging es los: einpacken, passt nicht, alles wieder raus. Das Spielchen haben wir dann so lange gemacht, bis alles passte. Unsere Rucksaecke muessten jetzt etwa 20 - 21 kg wiegen. Na was solls, das Gebuckel ueberstehen wir auch noch.
07.09.2003
Heute morgen sind wir in Kalka gelandet, von dort aus haben wir mit dem Sonnenaufgang die 'Bimmelbahn' nach Shimla genommen. Der Zug brauchte fuer die 100km lange Strecke geschlagene 6 Stunden. Das Tempo war aber genau richtig, um die Landschaft geniessen zu koennen. Shimla ist die alte britische Sommerresidenz der Regierung Britsh India's gewesen. Heute ist es ein Ort fuer die oberen 10.000 der Inder. Wer Geld hat, der kommt hierher und zeigt es auch. Die Fahrt mit der 'Bimmelbahn' war sehr beeindruckend. Die Landschaft ist einfach umwerfend. Hohe Berge, tiefe Schluchten begleiteten uns. Hier oben in Shimla ist Indien anders als das urtypische Indien, welches wir in den letzten Wochen kennengelernt haben. Kaum Dreck, niemand belabert uns und alles laueft sehr zivilisiert ab. Von unserem Hotelzimmer, mit kleinem Balkon haben wir, wenn die Wolken nicht wieder vor unserem Fenster parken einen super Blick auf die Stadt und die Berge.
Hier in 2000 und ein paar zerhackten Metern rennen wir schon wieder in langen Klamotten herum. Im Vergleich zu Jaisalmer und Bikaner haben wir hier etwa 20 Grad Temperaturunterschied.
08.09.2003
Am fruehen Morgen sind wir erwacht (wurden durch unseren Wecker geweckt), da wir heute ins tiefe Gebirge vordringen wollten. Wir haben gestern noch ein deutsches Paaerchen getroffen. Mit den beiden haben wir uns geeinigt, dass wir mit einem Mietwagen in das 290km entfernte Manali fahren. Ein Mietwagen bedeutet hier, dass man ein Auto fuer einen bestimmten Zeitraum bucht (genau wie bei uns) doch bekommt man hier gleichen einen Fahrer hinzu. Bei den Strassen- und Verkehrsbedingungen hier, wollten wir uns auch im Traum nicht ans Steuer setzen. Wir buchten also 3 Tage und der ganze Spass kostete uns pro Person 17,50 Euro. Wir starteten also gegen 08:00h und los gings. Durch die grandiose Landschaft des Himalayagebirges, immer an der Abbruchkante der Berge entlang. Die Strassen sind hier echt ein Graus, so dass wir erst nach ca. 4h 120km hinter uns hatten und an einem See eine Pause einlegten. Am Abend kamen wir dann nach 11h Fahrt, natuerlich mit Pausen in Naggar an. Hier checkten wir in ein geniales Hotel ein. Das Hotel ist eine alte Burg, die einer deutschen Burg verdammt aehnlich sieht. Angeblich soll auch eine deutsche Burg zum Vorbild genommen worden sein. Den Abend genossen wir hier einfach nur die so vermisste Ruhe.
09.09.2003
Heute Morgen hiess unser Ziehl Rothangpass. Dieser Pass erstreckt sich bis zum Gipfel ueber 39km und erreicht dabei eine Hoehe von 3975m. So hoch wollten wir schon immer hinaus. Unser Fahrer, einer der besten, von denen, die wir hier bisher kennengelernt haben, meisterte die echt anspruchsvolle Strecke sehr souveraen. Die Strasse gerade so breit, dass zwei Autos knapp aneinander vorbei passten, war in einem furchtbarem Zustand. Erdrutsche auf der Strasse, Schlagloecher in riesigen Ausmassen und dann noch LKW-Gegenverkehr. Nach kurzer Zeit gewoehnten wir uns an diese Zustaende und genossen die Landschaft, die mit der Hoehe immer karger wurde. Die Leute hier oben haben nun schon einen sehr chinesisches Aussehen und die meisten sind hier nun auch Buddhisten und keine Hindus mehr. Am Gipfel angekommen, erwartete uns ersteinmal ein eisiger Wind, der uns schnell in eines der Zelte trieb, in denen Tee verkauft wurde. Hier sassen wir nun eine ganze Weile und die Leute fanden es wieder irre witzig, mit Europaeern an einem Tisch zu sitzen. Wir assen hier auch eine Spezialitaet, wie man uns sagte. Es war gefuellter und anschliessend gebratener Schaafdarm. Was wir da als Fuellung vor uns hatten, konnten wir nicht erkennen oder herausschmecken, es schmeckte recht gut und satt machte es nebenbei auch noch. Bei einem kleinen Zwischenstop hatten wir zwei die Moeglichkeit, eine Royal Enfield zu fahren, einfach Klasse dieses Motorrad. Wir fragten auch gleich nach dem Preis und umgerechnet bekommt man in Indien eine Nagelneu fuer 1000,- bis 1400,- Euro. Die Rueckfahrt gestalltete sich dann auch wieder als kleine Zerreisprobe, da unser Fahrer um zu bremsen ersteinmal Druck aufbauen musste. Ok, nach 2-3 Mal pumpen ging es dann auch und wir erreichten am spaeten Abend wieder unser Hotel.
10.09.2003
Der Tag begann wieder einmal sehr frueh, wir mussten heute von Naggar nach Shimla zurueck, da unser Zug nach Delhi ueber Kalka am Abend den Ort verlasen sollte. Die Fahrt wurde leider durch viel Rgen begleitet, so dass sich die Aussicht lediglich auf einigen Abschnitten als lohnenswert darstellte. Unser Fahrer war recht zuegig unterwegs, wir erreichten Shimla schon nach 7h Fahrt. Das liess uns noch ein wenig Zeit um einen Happen zu essen und in einer Cafebar einen leckeren Cappuchino geniessen zu koennen. Unser Zug (der Toytrain) verliess gegen 18:00h den Bahnhof und sollte 6 Stunden spaeter Kalka erreichen. Das Himalayagebirge verabschiedete sich entsprechend von uns. Wir erlebten einen Sonnenuntergang sondergleichen. Die Sonne spielte mit den Wolken und den Bergen Kulisse und liess sie alle paar Minuten anders und noch gewaltiger erscheinen. Das nennen wir einen guten Abschluss fuer Indien. Im Zug entdeckten ein paar Inder die Trommel von Andreas und liessen sich nicht davon abbringen, ein paar Lieder auf Hindi zu schmettern. Die Stimmung war riesig, ausser bei einem indischen Paaerchen, die sichtlich genervt waren. *smile* Uns war`s egal, wir hatten Spass und die Zugfahrt verkuerzte sich.
11.09.2003
Heute ist unser letzter Tag in Indien und somit auch der letzte Beitrag in unserem Livetagebuch. Wir erreichten New Delhi am fruehen Morgen und versuchten in einem Hotel noch ein paar Stuendchen Schlaf zu bekommen, doch unser Nachbar war anderer Meinung und rotzte (schuldigung aber es war wirklich so widerlich) staendig im Bad herum, dass wir nicht schlafen konnten. Tagsueber waren wir dann doch nocheinmal in der City und vertrieben uns die Zeit. Dabei trafen wir auf einige Leute, die wir zuvor in anderen Orten auf unserem Tripp kennengelernt haben. Ruckzuck ist man wieder irgendwo in einem Cafe und schlabbert ein koffeeinhaltiges Heissgetraenk und schnaggelt ueber das Erlebte. Heute Abend gehts dann zum Flughafen, damit wir um 02:25h Ortszeit unseren Flieger in die mittlerweile doch schon heiss ersehnte Heimat bekommen. Wir beide sagen also, tschuess Indien und freuen uns schon auf die daheim Gebliebenen.
Danke fuer euer Interesse an unseren Berichten und eure Sorge, die ihr uns zuteilkommen liessest.
Dann bis gleich,
Henry + Andreas 
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